|
In den USA bereits seit 1978 als offizielles Heilverfahren anerkannt, gewinnt die orthomolekulare Therapie erstaunlicherweise erst jetzt bei uns in Europa an Bedeutung. Der Begriff "orthomolekular" bedeutet soviel wie "richtige, gute Moleküle" und wurde von dem zweifachen amerikanischen Nobelpreisträger Linus PAULING geprägt. Seine Definition lautet: "Orthomolekulare Medizin ist die Erhaltung guter Gesundheit und die Behandlung von Krankheiten durch die Veränderung der Konzentration von Substanzen im menschlichen Körper, die normalerweise im Körper vorhanden und für die Gesundheit erforderlich sind". Die Substanzen, die hier gemeint sind, umfassen Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Aminosäuren und Fettsäuren, die alle für den reibungslosen Ablauf der Stoffwechselvorgänge in unserem Körper unentbehrlich sind.
|
Es geht also bei dem Einsatz von orthomolekularen Ergänzungsstoffen um:
- Vorbeugung und Kompensation von relativen und absoluten Mangelzuständen
- Anwendung hoher Dosen im pharmakologischen Sinn zur Behandlung von Krankheiten
- die Erstellung von Ernährungsrichtlinien zur Vermeidung von Mangelzuständen, aber auch zur positiven Beeinflussung von gesundheitlichen Störungen.
|
Moderne Mangelzustände
Warum ist es uns heutzutage nicht möglich, diesen Bedarf über die normale Ernährung zu decken? Dafür gibt es mehrere Gründe:
>> Einerseits sind wir einer Vielzahl an toxischen Stoffen ausgesetzt, wie Kunstdüngern, Pestiziden, Insektiziden,
>> Lösungsmitteln, Konservierungsmitteln und vielen anderen mehr, die diese lebenswichtigen Substanzen
>> verbrauchen.
>> Andererseits verarmt auch der Boden durch die derzeitige Art der Bewirtschaftung an Spurenelementen wie
>> Magnesium, Zink und Selen.
>> Darüber hinaus werden bei der Verarbeitung der Nahrungsmittel große Mengen dieser wichtigen Stoffe entfernt oder
>> vernichtet, wie z.B. bei der Weißmehlherstellung, die zum Verlust des Großteils der Spurenelemente und der
>> Vitamine, im speziellen der B-Vitamine, führt.
>> Früchte werden noch grün vom Baum genommen, wobei sie längst nicht mehr so viele Vitamine bilden können wie
>> bei Baumreifung. Oft werden Gemüse und Obst sogar bestrahlt, um die Haltbarkeit zu verlängern.
|
Ein anderer wichtiger Faktor für Mangelzustände sind der Alkohol- und Tabakkonsum sowie die Einnahme von bestimmten Medikamenten wie Schmerzmittel, Kortikoiden, Hormonen, Antidepressiva, Mittel gegen hohen Blutdruck, etc. In diesen Fällen ist die Zufuhr von orthomolekularen Substanzen noch weitaus unentbehrlicher und in höheren Dosen als für den Normalverbraucher vorzunehmen, der "nur" durch schlechte Lebensmittelqualität geschädigt ist.
|
Einsatz von Nahrungsergänzungen
In der Folge möchte ich ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit einige Beispiele für Einsatz und Wirkmechanismen von orthomolekularen Substanzen geben:
|
Vitamine
Diese erfüllen im Organismus katalytische (vermittelnde) oder steuernde Funktionen. Schwere vitaminmangelbedingte Krankheitsbilder, wie Skorbut oder Rachitis, sind uns hinlänglich bekannt. Weniger bekannt ist, dass z.B. auch die Behandlung von Schizophrenie mit Vitamin B3 in sehr hohen Dosen vielversprechende Ergebnisse gezeigt hat (HOFFER und OSMOND); Vitamin E zeigt spektakuläre Ergebnisse in der Behandlung der Dupuytren'schen Kontraktur oder auch lokal zur Vermeidung von überschießender Narbenbildung.
|
| Einer der wichtigsten Einsatzbereiche der Vitamine A, C und E (zusammen mit Selen, Zink und bestimmten Aminosäuren) ist der als sogenannter "Radikalfänger". Freie Radikale sind extrem reaktive Teilchen, die im Körper bei normalen biochemischen Reaktionen entstehen, deren Bildung aber auch durch energiereiche Strahlung oder z.B. auch durch Schadstoffe in der Luft und der Nahrung verstärkt wird ("oxidativer Stress"). Sie führen in der Folge zu oxidativen Gewebeschädigungen, bei denen Zellmembranen geschädigt werden, Nukleinsäuren zu Bruch gehen und Steuerungsproteine verändert und unwirksam werden. Als Konsequenz daraus kann es zur Begünstigung von Arteriosklerose kommen, zur Schädigung von Schleimhautzellen und daher zur Allergieentstehung, aber auch degenerative Entwicklungen wie die Krebsentstehung werden gefördert. Auch der Alterungsprozess könnte eine Folge von oxidativem Stress sein. Hier greifen nun die Vitamine A (Beta-Karotin), C und E ein, indem sie diese Freien Radikalen abfangen. (siehe dazu Freie Radikale und umweltbedingte Krankheiten) |
Mineralstoffe und Spurenelemente
Diese wurden erst in den letzten Jahren eingehender untersucht. Als Spurenelemente bezeichnet man die Mineralien, deren erforderliche Zufuhr unter 100 mg pro Tag liegt. Alle Spurenelemente des Körpers zusammengenommen wiegen nur 8 - 9 Gramm!
|
Die Mineralstoffe, Kalzium, Magnesium, Phosphor, Natrium, Kalium, Chlor und Schwefel, dienen dem Aufbau und der Erhaltung des Skelettsystems, der Aktivierung von Enzymen, der Erregungsleitung im Nervensystem, der Muskelfunktion, der Regulation der Körperflüssigkeiten und somit auch des pH-Wertes. Wie schon eingangs erwähnt, ist die Mangelversorgung durch die Überdüngung des Bodens und die industrielle Massenproduktion von Nahrungsmitteln gegeben, andererseits herrschen aber auch starke geographische Ungleichgewichte. Z.B. ist der Boden in Deutschland und Österreich extrem arm an Selen!
|
In der Reihe der Spurenelemente nimmt Zink als Kofaktor für mindestens 12 Enzyme eine enorme Bedeutung in der orthomolekularen Therapie ein. Durch die Ausmahlung des Getreides zu weißem Mehl gehen bis zu 78% Zink verloren! Um nur einige Punkte zu nennen: Durch Zinksupplementierung können Fehlgeburten vermindert und Missbildungen verhindert werden; Zink dient zur besseren Elimination von toxischen Metallen, stärkt das Immunsystem, ist ein wichtiges Mittel bei Hauterkrankungen und essentiell für die Schleimhautregeneration.
|
Ein weiteres wichtiges Element ist das Selen, das ebenfalls in der Schwermetallausleitung eine wichtige Rolle spielt. Als Faktor in der Stärkung des Immunsystems nimmt es zusammen mit Zink eine bedeutende Position ein, und zusammen mit Vitamin E wird es in der Krebstherapie angewandt. Auch entzündliche und allergische Probleme können oft mit Selen positiv beeinflusst werden. Wie schon vorhin im Abschnitt über die Vitamine erwähnt, nimmt Selen teil an der Elimination von Freien Radikalen.
|
Aminosäuren
Aminosäuren als Bausteine der Proteine wurden erst in letzter Zeit besser in Bezug auf ihre Wirkungen erforscht. Während sie in den USA schon lange Zeit im Handel erhältlich sind, ist bei uns in Europa das Wissen um den Einsatzbereich und auch die Verfügbarkeit noch in den Kinderschuhen. Um einige Beispiele zu nennen: Methionin gilt als natürliches Antihistaminikum, Lysin wirkt hervorragend bei Herpesvirusinfektionen (zusammen mit Vitamin C), Phenylalanin wirkt als natürliches Schmerzmittel (es verhindert den Abbau von Endorphinen). In Kombination mit bestimmten Spurenelementen verbessern Aminosäuren deren Bioverfügbarkeit.
|
Fettsäuren
Bei den Fettsäuren geht es um die essentiellen Fettsäuren, das heißt die Fettsäuren, die im Körper nicht hergestellt werden können. Hier ist zwischen zwei Klassen zu unterscheiden: Die Gruppe der Omega-6-Fettsäuren, deren Ausgangsverbindung die Linolsäure ist, und solche, die überwiegend in pflanzlichen Ölen enthalten sind.
|
Die Omega-3-Fettsäuren, überwiegend in Kaltwasserfischen enthalten (Lachs, Makrele, Hering), werden aus der Vorstufe Alpha-Linolensäure hergestellt. Diese Stoffe bremsen am stärksten die Zusammenballung von Thrombozyten und sind daher von essentieller Bedeutung in der Prophylaxe von Herz-Kreislauferkrankungen. Auch entzündliche Vorgänge werden durch Fettsäuren der Omega-3-Gruppe positiv beeinflusst. In diesem Zusammenhang nimmt das Leinöl eine wichtige Stellung ein. Entscheidend ist in einer Ernährung für gesunde Menschen ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Fettsäuregruppen, im Krankheitsfall jedoch ist es notwendig, die konkreten Wirkmechanismen zu kennen, um selektiv Stoffwechselvorgänge beeinflussen zu können.
|
Gekürzte Fassung eines Textes von Dr. Margot Seitschek, Allgemeinmedizinerin in Wien -
Mit freundlicher Erlaubnis durch PreventNetwork München/Wien - Initiative für internationalen Erfahrungsaustausch zur Orthomolekularmedizin
|
| Zum Seitenanfang |
| Übersicht Basisinformation |
| Übersicht "Zur Auswahl geeigneter Produkte |
| Zurück zur Startseite om-praxis.net |
|
|