Basisinformationen
Es ist unbestritten, dass die Zahl der Kontaktallergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und die sogenannte Chemische Sensibilität zunimmt.
Zitat: "Chemische Sensibilität ist definiert als gewöhnlich immuno-chemische Veränderung des Organismus durch chronische und akute Einwirkungen von Chemikalien, so dass weitere chemische Einwirkungen zu stärkeren Reaktionen bei niedereren Dosen führen, die bei nicht-sensibilisierten Personen nicht zu beobachten sind."
Das Immunsystem muss sich zunehmend mit einer Fülle neuer Antigene auseinander-setzen, so dass eine Art Daueralarmstufe eingestellt wird, um alle möglichen Allergene abzuwehren, sowohl in sinnvoller als auch in krankhafter Weise. Neurodermitis, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und unspezifische Reaktionen des Immunsystems sind die Folge dieser Belastung.
Dank der Volldeklaration (Angabe aller Inhaltsstoffe eines Arzneimittels oder eines Nahrungsergänzungsmittels) vieler Hersteller für ihre Produkte nehmen die Ärzte und Apotheker in ihren Unterlagen (Rote Liste ) wahr, dass sie Patienten mit jedem rezeptierten Präparat nicht nur die gewünschten Substanzen, sondern auch eine Fülle von Zusatzstoffen verabreichen. Dies gilt infolge der Produktionstechniken für Tabletten, Filmtabletten, Dragees, Retardformen bis hin zur Kapsel, um nur die wesentlichen Darreichungsformen aufzuführen. Neben den medizinisch indizierten Inhaltsstoffen sind eine Reihe produktionstechnisch anscheinend unbedingt notwendiger Hilfs- und Zusatzstoffe beigegeben.
Mein Eindruck ist: Die Hersteller pharmazeutischer Produkte legen wesentlich mehr Wert auf den umweltmedizinisch gestylten Prospekt ihrer PR-Maßnahmen als auf die Notwendigkeit hypoallergener und ökologisch sinnvoller Arzneimittelherstellung. Diese würde auf eine große Zahl von Zusatzstoffen verzichten und müsste dafür teilweise eine andere Produktionstechnik anwenden. Aber trotz Kenntnis von der zunehmenden Allergisierung haben sich die meisten Hersteller bisher nicht entschließen können, Produkte ohne, oder wenigstens nur mit den allernotwendigsten Hilfsstoffen versehen, herzustellen. Dies liegt zum Teil am Arzneimittelgesetz, das die Bewegungsfreiheit der Hersteller stark einschränkt, zum Teil am Diktat der großtechnischen Produktionsanlagen - aber leider auch am mangelnden Umweltbewusstsein der Pharmazeuten.
Blick in die Arzneimittelproduktion

In der Arzneimittelherstellung werden folgende Additiva (erlaubte und beigegebene Zusatzstoffe) bei nahezu allen Produktionen ohne Ausnahme eingesetzt, die natürlich nicht gesundheitsschädlich sind, aber eben allergische Reaktionen auslösen können (s. Nebenwirkungen):

Coating mit wässrigen Polymerdispersionen (Latex oder Pseudolatex): Lösliche Filme haben Schutzfunktion oder werden aus ästhetischen Gründen aufgebracht. Als unlösliche Filmbildner werden Copolymeren aus Methacrylsäuremethacrylat und Ethylcellulosen eingesetzt. Um die Verarbeitungseigenschaften zu verbessern, ist der Einsatz von Weichmachern und anderen Zuschlagsstoffen meist unumgänglich.
Trockenbindemittel
Verschiedenste Cellulosederivate (Hydroxypropyl-, Methyl-, Äthyl-, Carboxymethyl- und Hydroxyäthylcellulosen) verbessern zusammen mit synthetischen Polymeren (Polyvinylpyrrolidon und Vinylpyrrolidon-Vinylacetatmischpolymerisat) die Möglichkeiten der Direkttablettierung.
Gleitmittel
Einem zu tablettierenden Gut, Granulat wie Pulver, müssen vor Beschickung des Fülltrichters der Tablettiermaschine die Gleitmittel als Zuschläge zugemischt werden. Fließregulierend wirken z.B. Talkum, schmierend wirken Polyäthylenglykole und die Metallseifen. Die Schmierwirkung der Metallseifen beruht auf einer lamellaren Kristallstruktur und auf der Fähigkeit der auf einer Partikeloberfläche aufgezogenen Hilfsstoffteilchen, unter geringem Druck einen zusammenhängenden Film zu bilden. Formentrennmittel sind in der Regel Talkum und Silikonölemulsionen.
Leider wird sogar bei sonst guten Produkten neben Ascorbylpalmitat auch das ebenfalls resorptionsbehindernde Magnesiumstearat verwendet.
Farbstoffe und Konservierungsmittel
Darüber hinaus werden die in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie zugelassenen Farbstoffe häufig nicht nur dem Füllgut, sondern auch der Tablettiermasse als auch den die festen Arzneiformen umgebenden Hüllen (Gelatinekapseln, Drageehüllen) zugegeben. Konservierungsmittel im Ausgangsmaterial sind ebenso vorzufinden wie Konservierung des Fertigproduktes (wässrige Zubereitungen mit Benzoaten und Sorbinsäure). Manchmal finden sich auch Geschmack- oder Duftmittelbeigaben.
Eine internationale Alternative?
Vor allem in den Vereinigten Staaten haben Hersteller längst damit begonnen, zusatzfreie Arzneimittel und Nahrungsergänzungen herzustellen und die Produktionsverfahren erfolgreich entsprechend umgestellt. Es ist darum nicht verwunderlich, das viele Ärzte, deren Patienten sich zu einem Großteil aus Allergikern und chemisch Sensibilisierten zusammensetzen, als Verordner Produkte solcher internationaler Hersteller suchen, die eine zusatzfreie Herstellung garantieren.
Wenn diese häufig zu importierenden Arzneimittel dem Kostenlevel unserer inländischen Vergleichsprodukte standhalten, kann diesem Verordnungsverhalten, das sich sowohl nach der Wirtschaftlichkeit als auch der optimalen Versorgung des Patienten richtet, von pharmazeutischer Seite nur zugestimmt werden. (Siehe dazu die Bezugsquellenliste).
Das gilt vor allem für Nahrungsergänzungsmittel.
Sie werden oft über einen langen Zeitraum mit der Nahrung zusammen eingenommen, weil sie präventiv, unterstützend, aufbauend oder ergänzend mithelfen sollen, die Lebensqualität zu fördern, die Gesundheit zu erhalten und einen Mangel auszugleichen. Ihr Einsatz stellt damit übrigens einen erheblich kostensenkenden Beitrag zum Gesundheitswesen dar. Leider übernehmen die Krankenkassen, weil es sich eben nicht um einen krankheitsbedingten, sondern nur vorbeugenden Einfluss handelt, keinerlei Kosten dafür (es sei denn im Einzelfall im Rahmen einer gesamttherapeutischen Verordnung). Inzwischen haben sich vereinzelt auch europäische Hersteller für die "hypoallergene Herstellung" entschieden.
Ein Beispiel für hypoallergene Herstellung
Für die Herstellung von Reinstoff-Nahrungsergänzungen hat die amerikanische Firma Thorne Research, Inc., Idaho, Pionierarbeit geleistet und verwirklicht bis heute konsequent eine anerkannte hypoallergene Herstellung. Das beginnt für diesen Spezialhersteller nicht erst bei den Produktionsabläufen, sondern bereits beim Einkauf der Grundstoffe:
1. Ausgewählte höchste Qualität und Reinheit der Grundstoffe.
2. Kontrollierte Herstellung in den eigenen Einrichtungen und keine Herstellung "im Auftrag von Thorne", also aus zweiter Hand.
3. Keine Hinzufügung von technischen Zusatzstoffen jeglicher Art, die z.B. die Fertigung schneller machen würden.
4. Nur Herstellung von Nährstoffen in Pulver- oder verkapselter Form und nicht in Tablettenform, weil die Tablettierung auf Zusatzstoffe angewiesen bleibt.
5. Nur Verwendung von solchen Füllstoffen (um die Menge in der Kapsel anzufüllen), die ebenfalls als Reinstoffe ausgewiesen sind.
Nicht jedermann ist ein Allergiker - darauf möchte ich zum Schluss doch gerne hinweisen. Auf eine hypoallergene Qualität von Nahrungsergänzungen ist darum auch nicht jedermann angewiesen. Mit diesen Hintergrundinformationen soll darum niemandem Angst gemacht werden. Im Gegenteil: Wenn sich eine Allergie einstellt, dann können der Betroffene, sein Arzt und Apotheker oder sein Ernährungsberater, wenigstens wissen, dass es einen Weg aus dieser Lage auch über Reinstoff-Produkte aus hypoallergener Herstellung geben kann.
Zum Seitenanfang
Übersicht Basisinformation
Übersicht "Zur Auswahl geeigneter Produkte"
Zurück zur Startseite om-praxis.net